Die meisten Ertragsrechner im Netz rechnen mit den Werten einer Dachanlage – Südausrichtung, 30° Neigung, freier Horizont. Ein Modul, das senkrecht am Balkongeländer hängt, liefert davon aber nur rund 70 %. Dieser Rechner startet deshalb beim Balkon und nicht beim Dach, und er legt jeden Faktor offen, mit dem er arbeitet.
Wie wird gerechnet?
Ausgangswert ist der spezifische Ertrag am Standort bei optimaler Südausrichtung mit 30–45° Neigung: 900 kWh/kWp im Norden, 1.000 in der Mitte, 1.100 im Süden (langjährige Globalstrahlungsdaten des Deutschen Wetterdienstes).
Darauf wirken drei Faktoren: Ausrichtung und Neigung (senkrecht am Geländer nach Süden rund 70 %, senkrecht nach Ost/West rund 60 %, geneigt nach Ost/West rund 85 %), Verschattung und – falls die Modulleistung deutlich über der Wechselrichterleistung liegt – ein kleiner Abzug für Leistungsbegrenzung an sonnigen Mittagen.
Vom Jahresertrag zählt für deinen Geldbeutel nur der Teil, den du selbst verbrauchst. Ohne Speicher sind das je nach Tagesablauf 25–45 %, mit Speicher 75–85 %. Der Rest fließt unvergütet ins Netz.
Das Ergebnis ist eine Abschätzung, keine Zusage. Wetterjahre schwanken um ±10 %, und die tatsächliche Verschattung kennt nur, wer sie vor Ort sieht.
Der größte Hebel ist die Neigung, nicht die Modulgröße
Wer das Ergebnis oben ein paarmal durchspielt, merkt es schnell: Der Wechsel von „senkrecht" auf „geneigt" bringt mehr als 200 Wp zusätzliche Modulleistung. Bei 90° am Geländer erreichst du etwa 70 % des möglichen Ertrags, zwischen 25 und 40° praktisch das Optimum – und schon 45° kosten nur rund 3 %.
Eine einfache Aufständerung ist damit die günstigste Ertragssteigerung, die es gibt. Sie ist allerdings nicht überall erlaubt oder gewünscht: Zur Straße hin fällt eine schräg abstehende Konstruktion auf, und in Mietwohnungen ist die bündige Montage am Geländer oft die Variante, der ein Vermieter zustimmt. Mehr dazu unter Balkonkraftwerk als Mieter.
Erzeugen ist nicht sparen
Der zweite Punkt, an dem viele Rechnungen zu optimistisch werden: Geld sparst du nur mit dem Strom, den du im Moment der Erzeugung selbst verbrauchst. Alles andere fließt unvergütet ins Netz – eine Einspeisevergütung gibt es für steckerfertige Geräte in der Praxis nicht.
Ohne Speicher liegt dieser Eigenverbrauchsanteil je nach Tagesablauf bei 25 bis 45 %. Wer tagsüber arbeitet, landet am unteren Ende. Mit einem Speicher steigen die Werte auf 75 bis 85 %, weil der Mittagsüberschuss in den Abend wandert. Ob sich der Aufpreis lohnt, hängt genau daran – die Gegenüberstellung steht unter mit vs. ohne Speicher.
Warum mehr Modulleistung als 800 W sinnvoll ist
Der Wechselrichter darf seit Mai 2024 maximal 800 W ins Hausnetz einspeisen – die Modulleistung darf höher liegen. Das klingt nach Verschwendung, ist aber das Gegenteil: Die 800 W erreicht eine Anlage nur bei praller Mittagssonne. In den vielen Stunden mit diffusem Licht, morgens, abends und im Winter zieht zusätzliche Modulfläche den Ertrag spürbar nach oben.
Der Rechner berücksichtigt das: Erst deutlich oberhalb von 1.000 Wp zieht er einen kleinen Abzug für die Leistungsbegrenzung ab. Bei einer senkrecht montierten oder verschatteten Anlage wird die Grenze ohnehin selten erreicht.
Was der Rechner nicht kann
Er kennt deinen Balkon nicht. Verschattung ist der Faktor mit der größten Streuung und dem größten Einfluss – ein Baum, der von April bis Oktober Laub trägt, wirkt anders als ein Nachbarhaus, das ganzjährig ab 15 Uhr Schatten wirft. Die drei Stufen im Rechner sind eine grobe Einordnung, kein Ersatz für einen Blick nach draußen zu verschiedenen Tageszeiten.
Auch Wetterjahre schwanken um etwa ±10 %. Nimm das Ergebnis als Größenordnung, mit der du entscheiden kannst – nicht als Zusage. Wenn dir die Amortisation bei realistischen Annahmen plausibel erscheint, passt die Anlage. Wenn sie nur bei optimistischen Annahmen aufgeht, solltest du die Montage überdenken, bevor du kaufst.
Wenn die Rechnung aufgeht
Welches Set zu deiner Situation passt, hängt weniger vom Ertrag als von der Montage ab: Mieter ohne Bohrmöglichkeit brauchen etwas anderes als ein Südbalkon mit fester Halterung. Der Überblick steht in unserer Bestenliste 2026, und ob es in deiner Stadt noch Geld dazu gibt, klärt die Förderübersicht.
Nach der Installation ist die Registrierung im Marktstammdatenregister Pflicht – kostenlos und in etwa 20 Minuten erledigt: Schritt-für-Schritt-Anleitung.